Klar hat jeder irgendwann einmal die Zeit, wo man keinen festen Partner zur Hand hat und auch in nächster Zeit keiner in Sicht ist. Aber nicht jeder kann mit der „großen Freiheit“ umgehen. Warum? Das werdet Ihr gleich lesen!
Es ist Sonntagmorgen, die Nacht hat sie mal wieder alleine mit einer Wärmflasche und ein paar Notfall Schokoriegeln verbracht. Was wird sie heute machen? Jammeranrufe bei den Freundinnen, auf der Couch hocken und sich die Soaps reinziehen, vielleicht zur Vernissage gehen, am Abend ewig lang in der Badewanne liegen. Und all das mit diesem Frustgedanken im Kopf: Ich habe/finde keinen Mann. Stopp! Wärmflasche, Schokoriegel, Soaps, Vernissage und Badewanne sind doch Klasse, oder? Nein? Dann ist einfach die Perspektive falsch:
Wer Single wider Willen ist, darf alles tun – nur eins nicht: das Single-Dasein als Defizit betrachten. Wenn Du die typischen Single-Frustfallen kennen, tapp erst gar nicht erst rein. Oder komm ganz schnell wieder raus.
Singles sind bindungsunfähig
Wenn Du Dich als bedauernswerter Teil dieser abartigen Randerscheinung fühlen, irrst Du dich gewaltig! Du bist nämlich in bester Gesellschaft. Singles, ob unfreiwillig oder aus Überzeugung sind eines der größten Bevölkerungsgruppen. Fast 40 % aller Deutschen, die in Großstädten leben sind Single. Ein erwachsener Mensch, der allein lebt, wird nicht mit dem Blick „der/die hat keinen abgekriegt“ betrachtet, denn viele beneiden dieses Leben sogar, weil man unabhängig ist.
Mit meinem Partner war alles besser
Sicherlich hat jeder mit seinem Ex eine schöne Zeit erlebt, aber sicherlich war auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, denn sonst wären sie jetzt nicht getrennt.
Gegen solche Gedanken hilft am besten eine gezielte Gegenstrategie. Am besten man überlegt sich, was an der alten Beziehung alles schief gelaufen ist und hinterfragt dies alles objektiv und kritisch. Denk an die miesesten Eigenschaften des Ex-Partners und vergleiche die neue Freiheit mit der damaligen Situation. Da war doch seine ewige Kontrollsucht, sein Geiz, seine Schlamperei, da waren die vielen Stunden, in denen die Zweisamkeit trügerisch und nichts als eine Illusion war. Schließlich wusste ja schon Moralist Erich Kästner, am schlimmsten käme die Einsamkeit zu zweit daher.
Alle anderen haben glückliche Partnerschaften
Ach ja, wirklich? Die frustierenden Gespräche von Kumpel zu Kumpel oder von Freundin zu Freundin kannst Du doch garnicht mehr zählen! Okay, ganz ehrlich gesagt, als Single liebt man streitende Paare, denn wenn andere Zoff haben, freut man sich doch innerlich „Single“ zu sein. Dennoch: Selbstbetrug hilft nicht – es gibt tatsächlich auch glückliche Partnerschaften. Und jeder, der dieses Glück nicht hat, betrachtet andere mit einer Mischung aus Neid und dem Gefühl, selbst versagt zu haben. Sogar die Swinging Singles, jene solventen Bacardi-Süffler, denen die Lifestyle-Industrie mit flotten Sprüchen an die lockere Geldbörse will, schlucken schwer, wenn sie im Park knutschende Pärchen treffen und dabei an die Leerstelle im eigenen Leben denken, sie hassen Hochzeiten (von anderen).
Vor Neid und Selbstmitleid schützt Du Dich am besten, wenn Du Deine Realität akzeptieren: Zurzeit gibt es in Deinem Leben nicht den Mann für eine wirklich tolle Partnerschaft. Die Betonung liegt auf „zurzeit“.
Ich zieh mich total zurück
Ruhe zur Selbstbesinnung macht Sinn, völlige Isolation macht depressiv. Such Dir die richtige Balance – und die richtigen Leute. Am besten für das Seelenleben: sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Egal ob Du einen Single-Kochkurse besuchst oder Dich von Freunden betüteln lässt, Du brauchst ein Netzwerk von Menschen, bei denen Du nicht die coole Solo-Masche mimen mußt, sondern Dich so schwach, einsam, kraftvoll oder aggressiv geben kannst, wie Du Dich gerade fühlst. Menschen, die auf Deine Bedürfnisse eingehen und Dich nicht zu etwas drängen, was Dir zuwider ist. Menschen, die ein Gespür dafür haben, wann das Alleinsein gut für Ihre Seele ist, und die nicht aus jeder Zusammenkunft ein Mega-Event machen. Ganz normal eben. Denn Family & Friends, gepaart mit einer dicken Portion Selbstliebe, sind das Netz, das den Single trägt. Und das eine fehlende Partnerschaft streckenweise ersetzen kann.
Hauptsache ich hab einen Partner
Klar, dass Dir der Wunsch nach einem Partner nie aus dem Kopf gegangen ist. Kaum jemand kann sich von der tiefen Sehnsucht nach einem Menschen, für den man das Wichtigste ist, wirklich befreien. Muss ja auch nicht sein. Bleib offen für eine neue Liebe. Und weil Du ja nun den anderen Single-Fallen erfolgreich ausgewichen bist, wirst Du in diese auch nicht reintappen: Betrachte nicht jede/n Frau/Mann als den potenziellen Partner! Prüfe Deine echten Bedürfnisse. Einfach mal wieder einen Frauenkörper/Männerkörper genießen? Nur zu! Ein One-Night-Stand oder eine Affäre befriedigen Deine Wünsche. Aber kleb dem One-Night-Stand nicht sofort den Wahre-Liebe-Button auf die Stirn. Nasch an ihm wie an einem Stück Schokolade, lass den Nachgeschmack geduldig auf dich wirken.
Eine Partnerschaft zur Defizitdeckung hat eine minimale Halbwertszeit. Keine Beziehung macht automatisch glücklich. Psychologin Mareike Wiever: „Man möchte das, was einem fehlt, vom anderen erfüllt bekommen.“ Sonst fühlt man sich auch zu zweit leer und allein. Selbst in idealen Konstellationen muss man wissen, wer man ist und was man will. In Deiner Single-Phase hast Du, buchstäblich, ausgeprägtes Selbstbewusstsein gewonnen, strotzt vor Power. Der geglückte Alleingang ist Start zum Glück ins Doppel-Leben.
Die Don’ts für Singles
Was Du auf Solo-Pfaden besser bleiben lassen sollten:
· Verzweifelt jede/n Kerl/Frau anbaggern, der/die nicht bei drei auf dem Baum ist.
· Freunde mit immer denselben Problemen nerven. Keiner hat Bock auf jahrelange Jammerei.
· Die Zeit mit dem/der Ex verklären. Dabei war er/sie doch ein Langweiler/in, nicht wahr? n After-Work-Party, Vernissage, Theater, Kino, Disco – das volle Programm. Aber wer überall ist, verpasst sich selbst.