Archive for the 'Körpersprache' Category

Die persönliche Distanz - Komm’ mir nicht zu nahe!

Montag, Oktober 1st, 2007

Wer die Körpersprache richtig versteht und anwendet, kann sie einsetzen - bewußt oder unbewußt - um individuelle Verteidigungsmechanismen zu durchbrechen.

Wirksamer und deutlicher Ausdruck der Körpersprache ist die Berührung. Durch die Berührung eines Menschen erhalten die gesagten Worte mehr Gewicht und wirken stärker. Nur darf eine solche Berührung nur im richtigen Moment geschehen, sonst ist genau das Gegenteil der Fall.

Jeder Mensch benötigt einen gewissen Raum für sich selber - die intime Zone. In diesem Raum fühlt er sich wohl und nicht bedroht. Dringt ein Mensch in diese intime Zone ein, so wird dieses entweder geduldet oder aber, im schlimmsten Fall, als Angriff gedeutet. Eine Reaktion auf eine körperliche Berührung wird sich vermutlich immer einstellen. Und sei es nur im Gefühl des Berührten. Auch wenn er sich nicht trauen wird, sich dagegen aufzulehen. Eventuell wird er vor einem Menschen, dessen Berührung er ungern ertragen hat, zukünftig auf größeren Abstand achten.
Laut Anton Stangl (nach dem amerikanischen Forscher Edward T. Hall) beträgt die Distanzzone
Nahbereich - Intime Distanz - 0 bis 40 cm, maximal 60 cm
Nahbereich - Persönliche Distanz - 04 bis etwa 1,5 m
Fernbereich - Gesellschaftliche Distanz - etwa 1,5 bis etwa 4 m
Fernbereich - Öffentliche Distanz - etwa 4 m bis 8 m und mehr
Die Vertrauensgewinnung von Menschen wird im wesentlichen dadurch beeinflußt, daß man einem Menschen immer näher kommen darf. Von einer größeren Entfernung, Fernbereich, darf man sich bis zur Intimen Distanz nähern. Bei wem Gefühl und Takt fehlen und wer diese Grenzen der Mitmenschen verletzt, bei dem werden sich entsprechende Folgeerscheinungen einstellen. Einfach deshalb, weil sein Gegenüber sich unwohl fühlen wird und sich entsprechend verhalten muß um das eigene “Wohlfühl-Gefühl” zu sichern. Hier denke ich zuweilen an die Menschen, die sich “breit” machen. Eventuell ohne Rücksicht auf das Umfeld!

Distanzzonen im menschlichen Kontakt (Gesprächsentfernung)
Es gibt Menschen, die ständig in fremden Lebensraum, fremde Körperzonen hineingreifen, und zwar durch weite Bewegungen nach außen hin in dieser Richtung spielet sich ab: Sich breit machen im fremden Bereich, zuviel beanspruchen, dem andern auf die Schulter klopfen, Hand über Gebühr festhalten, sich mit Gegenstände seinem engeren Lebensraum befassen u. dgl. Diese sehen geben unbekümmert, oft plump-vertraulich, in einem übermäßigen Umweltkontakt ihren eigenen Antrieb nach. Sie strahlen auf den anderen aus: »Sie sind für eine ganz nebensächliche Figur, deshalb haben Sie keinen persönlichen, intimen Bereich zu beanspruchen, er ist gleichgültig! «
Ähnlich wie das Tiere instinktiv tun, will auch der Mensch unbewußt ein bestimmtes Gebiet, ein bestimmtes Recht, einen Persönlichkeitsraum für sich allein haben. In der ausschließlich er selbst zu bestimmen hat. Eingriffe in diesen Raum werden als ungebührlich oder aufdringlich zurückgewiesen. Im übertragenen Sinn sind es Befugnisse. Die anderen müssen diesen Persönlichkeitsraum respektieren und sich danach richten. Davon wi
Forscher Edward T. Hall):
1. Die »intime« Distanz:
0 bis etwa 40, maximal 60 cm Nahbereich
2. Die »persönliche« Distanz: Nahbereich
etwa 0,4 bis etwa 1,5 1
3. Die »gesellschaftliche« Distanz:
etwa 1,5 in bis etwa 4 m Fernbereich
4. Die »öffentliche« Distanz: Fernbereich
4 m bis 8 m und mehr
Die Vertrauensgewinnung wird maßgeblich mitbestimmt dadurch, daß man aus einer weiten Distanz ohne Störung in den Nahbereich vordringt, so daß der andere sich dabei wohlfühlt. In Untersuchungen wurde übrigens festgestellt, daß nach innen gerichtete (introvertierte) Menschen vergleichsweise zu entschieden größerem Gesprächsabstand neigen als nach außen gekehrte (extravertierte).
Wer gegen diese natürlichen Zusammenhänge verstößt, zeigt, daß es ihm an Takt, an der richtigen Einschätzung der Persönlichkeit des anderen fehlt, daß er die dafür wichtigen Körpersignale des anderen. auch seine individuellen Statusymbole, nicht oder falsch sieht. Abwehr und entsprechende Nachteile bleiben nicht aus.
Genauere Darlegungen erübrigen sich für jeden einigermaßen empfindsamen Menschen. Auf verschiedene Folgerungen. die für die tägliche Praxis des menschlichen Kontakts und der Gesprächsführung bedeutungsvoll sind, wird an anderer Stelle noch hingewiesen.

Die sanfte Berührung

Montag, Oktober 1st, 2007

Vor einigen Jahren führte eine Forschergruppe ein Experiment in einer öffentlichen Bücherei durch, um die Berührung zu untersuchen. Die Bibliothekarin war angewiesen worden, auf zwei verschiedene Weisen die Buchausgabe zu stempeln, die ausgeliehen wurden. Anfangs die normale Weise, ohne Körperkontakt und dem Ausleiher; sie stempelte die Bücher dem Kunden. Dann änderte sie ihre Methode wenn sie ein Buch abgestempelt hatte, übergab Sie es Kunden auf eine Weise, die eine leichte Berüherung möglich machte. Die Wissenschaftler hatten sich vor der Bücherei aufgestellt und befragten die Kunden, wie sie die Arbeit der Bücherei einschätzten. Viele Fragen sollten beantwortet werden; auch eine Bewertung der Bibliothekarin sollte vorgenommen werden.

Man stellte fest, daß die Bibliothekarin immer besonders warm und verständnisvoll bezeichnet wurde, wenn dieser leichte Körperkontakt stattgefunden hatte. Offensichtlich macht also eine Berührung, egal wie leicht, einen großen Eindruck auf die Person, die davon betroffen wurde. Auf dem Gebiet der sexuellen Körpersignale spielt die Berührung eine unschätzbare Rolle. Es ist ein Faktor, der einen gesamten Eindruck von einer anderen Person verändern kann, oder, andersherum, den Eindruck, den du auf iemanden machst. Viele Politiker sind sich dessen bewußt, und das «Händeschütteln» ist eine wichtige Methode geworden, die den Politiker hilft Wähler von der Aufrichtigkeit zu überzeugen. Es ist sogar modern, nicht nur die Hand selbst zu ergreifen, sondern den Körperkontakt noch auszudehnen, indem man mit der anderen Hand den Oberarm des anderen ergreift.
Wir kannten einmal eine Frau, die auf diesem Gebiet enorme Fähigkeiten hatte. Vom Aussehen und der Persönlichkeit her war sie ziemlich durchschnittlich, und doch hatte sie bei Männern den Ruf, etwas ganz Besonderes zu sein, bei Parties setzten sich Männer immer gern zu ihr. Wenn man ihr zusah und ihre Methoden analysierte, Die Partylöwin wurde es deutlich, daß sie außer Blickkontakt und einer offenen Körperhaltung auch das Moment der Berührung besonders gut anzuwenden wußte. Ihre Schenkel berührten ihren Gesprächspartner wie von ungefähr, ihre Hand seinen Arm, und es war nie die Art von Berührung, bei der man eine Absicht merkte, sondern nur ein ganz leichtes, beinahe zufälliges Berühren. Die Folge war allerdings, daß damit ein Nährboden für eine sexuelle Anziehung geschaffen wurde, und tatsächlich, es funktionierte!

Es gib, natürlich eine richtige und eine falsche Art, jemanden zu berühren. Manche Menschen wissen intuitiv, wann ein Körperkontakt richtig ist. Sie erkennen den psychologisch richtigen Moment, wann sie dir ihren Arm um die Schulter legen, deine Hand ergreifen oder ihre Hand kurz auf deinen Rücken legen sollen.

Die merkbar beabsichtigte Berüherung, die Hand auf dem Arm des Mannes oder sogar auf seinem Beinn, kam später, nachdem schon eine Atmosphäre von Wärme und Verständnis geschaffen worden war. Es gibt außerdem die heilende Berührung, von der viele Parapsychologen glauben, daß sie eine Manifestation des Kirlian-Effekts ist. Semvon Davidovich Kirlian, ein Russe, entdeckte dieses Phänomen 1939, was seitdem in den USA und Europa ausführlich untersucht worden ist. Unter bestimmten fotografischen Bedingungen konnte Kirlian die sogenannte <,Aura» von einem lebenden Objekt, sei es Pflanze oder Tier, fotografieren, ein im allgemeinen unsichtbares Feld um Pflanze oder Tier. Bei manchen Menschen war die Aura schwach. Bei anderen strahlte sie aufflackernd und in intensiven Farben. Nlit dem bloßen Auge konnte diese Aura nicht wahrgenommen werden, aber auf Kirlians Fotografien war sie deutlich vorhanden. Es gibt viele Zeugen, die behaupten, daß man sie fühlen kann, und vielleicht ist sie wirklich die Ursache für die heilende Berührung. Es gibt Menschen, die mit ihrer Berührung trösten, beruhigen und vielleicht sogar heilen können. Wenn jemand mit dieser Fähigkeit dir die Hand in einer freundlichen Geste auf Hand auflegen den Rücken legt, kann es passieren, daß dein ganzer Körper davon angeregt und sogar ein sexuelles Empfinden geweckt wird.

Nicht jeder hat die Gabe der einzigartigen und heilen den Berührung, aber wir alle können Körperkontakt dazu verwenden, um eine Botschaft von Wärme und Verständ nis zu senden, egal, ob es einen Menschen desselben oder des anderen Geschlechts betrifft. Es gibt ein unglaublich ergreifendes Foto aus dem Koreakrieg, wo ein Soldat seinen verwundeten Kameraden im Arm hält. Selbst auf diesem Schwarzweißbild wird deutlich, wie sehr der Verwundete durch den Körperkontakt seines Kameraden ge tröstet wird. Trost, Erleichterung, Beruhigung, Wärme, Verständ nis, Liebe und Attraktion können durch die Berührung gezeigt werden. Es ist interessant, wenn man sieht, daß wir uns dessen auch bewußt sind, da wir in unserer Spra che das Wort Berührung auf die verschiedenen Weisen verwenden. Wir sind «gerührt», wenn uns etwas emotionell anspricht. Eine traurige Szene ist «rührend»; eine Geste oder ein Vorfall kann uns das Herz «anrühren». Hierin liegt der Beweis, daß die Berührung ein außerordentlich wichtiges Element in unserem Leben ist.
Es wird also deutlich, daß sexuelle Anziehungskraft sich zwar aus allerlei scheinbar geheimnisvollen Elementen zusammensetzt, daß die einzelnen Elemente aber voneinander getrennt, einzeln verstanden und dann sogar verwendet werden können, um eine Atmosphäre zu schaffen, wo die sexuelle Anziehungskraft leichter wirksam werden kann. In diesem Kapitel haben wir über Blickkontakt, zustimmendes Nicken, Körperhaltung und Berührung gesprochen. Garantiert ist natürlich nicht, daß eine sofortige oder selbst auch nur eine allmähliche Attraktion stattfinden wird, aber ohne sie wird es ganz sicher keine Anziehung geben.

Diese Verhaltensweisen können uns helfen, uns von Blocklerungen zu befreien, die viele von uns unbewußt aufstellen, Blocklerungen, die nicht zulassen, daß sich löse zwischen zwei Menschen eine Beziehung herstellen kann. Unsere Methoden funktionieren außerdem mit einer gewissen internen Rückkopplung. Wenn wir eine von ihnen anwenden, also zugänglicher erscheinen, dann fühlen wir uns meistens auch offener und zugänglicher. Und das wiederum erleichtert uns ein echtes offenes und verbindliches Verhalten.

Ein Händedruck, und was dahinter stehen kann…

Montag, Oktober 1st, 2007

Politische Beobachter und Journalisten haben sich angewöhnt, die Dauer der körperlichen Kontakte zwischen Staatsmännern, denen das Schicksal der Nationen anvertraut ist, sorgfältig zu verzeichnen. Ein in die Länge gezogener Händedruck ist nach ihrer Meinung als günstiges Zeichen zu werten, besonders wenn die handelnden Personen gleichzeitig Blickkontakt halten. Das war der Fall bei einem historischen Händedruck zwischen dem Vorsitzenden Mao und Henry Kissinger: er dauerte neunzig Sekunden.

Eine Nummer der Zeitschrift Le Spectacle du Monde (Nummer 141, Dezember 1973) enthält ein ähnliches Dokument von einem Treffen Giscard d’Estaings mit Rapine. Ihr Händedruck läßt den relativen Mißerfolg des Treffens bereits ahnen.
Die Entfernung zwischen den Partnern ist sehr groß. Giscard d’Estaing hält seinen Arm fast ganz ausgestreckt, um die Hand seines Gegenübers zu ergreifen, und sein Daumen legt sich wie eine Barriere quer über den Handrücken von Rapin; fast berührt er seinen Ärmel. Seine freie Hand hält er gut verborgen in der Tasche, was ein ganz eindeutiges Zeichen von Vorsicht und Reserve ist. Es sieht zwar so alls, als sei der Blickkontakt hergestellt, aber der steif aufgereckte Kopf Giscard d’Estaings und sein sehr gemessenes Lächeln halten seinen Partner auch moralisch auf Abstand. Dagegen zeigt Herr Rapine mit vorgeneigtem Kopf, hochgezogenen Brauen und gerunzelter Stirn ganz deutlich, dass er in der schwierigen moralischen Situation des Bittstellers auftritt.

Die Photographie kann leider nicht die innere Dynamik dieses Gestenaustauschs wiedergeben. Wer von beiden war es zum Beispiel im Fall Mao Tse-tungs und Henry Kissingers, der so lange und besitzergreifend oder nur einwilligend und eher passiv die Hand des andern hielt? Von wem ging der Impuls aus, der dieses Händeschütteln so schwungvoll in Bewegung setzte? Wer gab das Zeichen zum Aufhören? Und welche Energiemenge wurde von den Muskeln der vereinigten Hände im zweiten Beispiel mobilisiert? Diese präzisen Fragen könnten in jedem einzelnen Fall nur von den handelnden Personen selbst beantwortet werden. Forschungsarbeiten und Versuchsreihen haben jedoch die Bedeutung bestimmter Formen des Informationsaustauschs im Zuge eines Händedrucks entziffern können.

Der Händedruck beginnt mit einer Bewegung des Unterarms, die von beiden Partnern gleichzeitig oder von einem der Partner mit Verzögerung ausgeführt wird, Bei uns ist ein Händedruck, übrigens fälschlicherweise Shakehands genannt (die Engländer sagen hand-shake), üblich, wenn zwei Personen, die sich nicht kennen, einander vorgestellt werden; außerdem, wenn zwei Personen, die sich kennen, zum erstenmal im Laufe des Tages sich treffen. Es besteht praktisch kaum Unsicherheit darüber, ob ein Händedruck jeweils angebracht ist.
Schon das kleinste Zögern bei der Anfangsbewegung des Unterarms läßt die Einstellung der beiden Partner zueinander teilweise erkennen. Wenn jemand die Hand ausstreckt, zurückzieht, erneut ausstreckt, beweist er damit entweder seinen Widerwillen gegen den Kontakt mit der Hand des andern, oder er fürchtet, daß seine Geste unerwünscht ist und seine ausgestreckte Hand ins Leere stößt oder eine Hand ergreift, die ihm nur zögernd und widerwillig überlassen wird. Ziemlich eindeutig ist es, wenn jemand als Reaktion auf die bereits ausgestreckte Hand des andern seinen Arm in sparsamster Weise vorstreckt, ihn nah bei sich behält, wodurch er seinen Partner zwingt, seinerseits drei Viertel der Entfernung zu überwinden. Damit versetzt er den anderen zwangsläufig in die Lage des Bittstellers. »Meine Hand ist bereit, die Ihre anzunehmen«, will er eigentlich sagen, »aber nur, weil Sie Wert darauf legen. Sie sollten sich darüber klar sein, daß die Bemühung auf Ihrer Seite liegen muß und daher Sie die ganze Wegstrecke allein zurücklegen müssen.«
Es kann dagegen auch sein, daß derjenige, der die Initiative ergreift, mit einer schnellen Bewegung seinen Arm in ganzer Länge ausstreckt und damit eine Grenze markiert, die der andere nicht überschreiten darf. »Es ist eben unvermeidlich, daß wir uns die Hand geben«, sagt der ausgestreckte Arm, »aber versprechen Sie sich davon bloß keine Vertraulichkeit.«

Wer dem Händedruck des Partners drei passive Finger überläßt, beweist damit Herablassung. Daraus spricht eine gewisse Geringschätzung, die übrigens auch dem Händedruck als institutionalisiertem Ritus gelten kann. Der gleichgültige Händedruck gehört oft zu einem Intellektuellen, dessen wahres Leben sich in der Sphäre der Abstraktion und der Begriffe abspielt. Er mißt körperlichen Kontakten, der körperlichen Existenz überhaupt, wenig Bedeutung zu. Seine Geste gibt zu verstehen: »Fügen wir uns dem Brauch, obwohl dieser Kontakt unserer Hände höchst uninteressant ist. Für mich zählt etwas anderes; wir können uns auf einem anderen Gebiet begegnen.«
Ein plötzliches Zurückziehen der Hand nach dem Händedruck verrät oft einen Mangel an Sicherheit. Der Mensch, dessen Hand sich auf den Händedruck eingelassen hat, erschrickt auf einmal über seine Kühnheit und möchte so schnell wie möglich den Rückzug antreten. Vielleicht wohnt in tiefen Schichten seines Bewußtseins noch eine Furcht: seine Hand könnte verschwinden oder im Griff der anderen Hand auf immer verlorengehen. Eine freimütige Hand, die die andere fest ergreift und Kontakt mit Fingern und Handteller sucht, beweist eine offene und freundliche Einstellung. Sie zieht sich nicht heimlich zurück, hält sich aber auch nicht überlang auf und erfüllt einfach ihre Funktion: die einer Kontaktaufnahme zwischen freundlichen Menschen.

Der Händedruck ist aus einer viel älteren Geste entstanden, die uns zurückführt zum Anfang der geschichtlichen Zeit. Wenn zwei Männer sich begegneten, hoben sie beide gleichzeitig ihre Hände über den Kopf, um zu signallsieren und auch zu beweisen, daß sie keine Waffen trugen. Zwischen diesem primitiven Gruß - der in Kriegszeiten und beim Ausbruch offener Feindseligkeiten auch heute noch üblich ist und unserer heutigen Grußgeste ist der »römische Gruß« einzuordnen. Die Römer ergriffen. um sich zu begrüßen, gegenseitig ihre Unterarme; man kann diese Geste in den Ländern rund um das Mittelmeer auch heute noch häufig sehen.

Unserem westlichen Bewußtsein ist nicht mehr gegenwärtig, daß unser Händedruck, den wir mit unseren Gästen oder im Büro austauschen, einmal zum Ausdruck bringen sollte, daß wir keine Angriffswaffen mit uns führen. Wir sind vielmehr überzeugt, daß wir lediglich eine banale Geste der Höflichkeit ausführen.
Viele Leute machen sich den Händedruck zunutze, um ihre körperliche Kraft zur Schau zu stellen. Sie greifen voller Eifer nach der ausgestreckten Hand, drücken sie, pressen sie und brechen einem fast die Finger. Der Händedruck artet zu einem Kampf aus, wobei derjenige, der die Feindseligkeiten mit seinem zermalmenden Druck eröffnet, die besten Siegeschancen hat. Der Überraschungseffekt kommt ihm zugute, und die Muskulatur der Hand, die blitzschnell in seinen Schraubstock gerät, kann nicht rechtzeitig reagieren. Offenbar ist der Schnellere immer im Vorteil. Häufig wird physische Kraft mit Männlichkeit verwechselt; daher gewöhnen sich viele Heranwachsende einen energischen Händedruck an, aus dem man seine eigene Hand nur halb zerquetscht retten kann.
Diese sinnlose Kraftentfaltung verrät die Unsicherheit des Halbwüchsigen über seine sexuelle Identität, die er überwinden möchte. Ungeschickt versucht er, seine Männlichkeit zu beweisen, indem er seine junge, stürmische Energie zur Schau stellt.
Auch manche Frauen reichen ihrem Partner eine spröde und harte Hand. Ihr Händedruck ist aktiv und eindringlich; er wird für männlich gehalten, deutet aber nicht unbedingt auf Aggressivität hin, sondern verrät eher den Entschluß, die Weiblichkeit für den Augenblick einmal beiseite zu lassen. »Nein«, sagt diese feste Hand, »ich bin nicht dieses kleine, weiche, zarte und passive Etwas des weiblichen Stereotyps. Ersparen sie mir die Aufmerksamkeiten, die meinem Geschlecht aus Tradition erwiesen werden. Behandeln Sie mich als gleich und ebenbürtig. Meine Entschlußkraft, meine Energie stehen nicht hinter der Ihrigen zurück.« Frauen, die sich im Beruf durchsetzen, haben schließlich meist auch privat einen Händedruck, der sich kaum von dem Händedruck unterscheidet, den sie zunächst hauptsächlich ihren geschäftlichen Beziehungen vorbehalten hatten.
Den wirklich autoritären und aggressiven Händedruck kann man leicht erkennen. jemand ergreift Ihre Hand, drückt sie fest und zwingt Sie plötzlich zu einer Drehung. Auf Ihre horizontal nach oben gewendete Handfläche legt sich die seine mit Herrschergeste und veranschaulicht haargenau die Situation, die er für Ihre Beziehungen anstrebt: Sie unten, er oben. Wenn Ihnen andererseits jemand die Hand reicht mit gedrehtem Handgelenk und von vornherein nach oben gewendeter Handfläche, so signallsiert er Ihnen seine vollständig ergebene Einstellung.

Die Amerikaner haben die anschauliche Bezeichnung cold lish für die unbewegte, formlose, inaktive Hand, die in der Hand des Partners strandet. Dr. Jean Bergés nennt in seinem Buch Les gestes et la personnalit diese Hand die Hand der Verweigerung. »Weigerung, der zu sein, der die Hand ausstreckt, oder dem man die Hand reicht, Weigerung, zu geben oder entgegenzunehmen, Weigerung, dem anderen auf gleicher Ebene zu begegnen.«
Die Hand vom Typ <>, gehört paradoxerweise nicht selten einem stämmigen Mann oder einem Athleten. Da er die vernichtende Oberlegenheit seiner Körperkräfte kennt und weiß, daß er Schwächere unabsichtlich verletzen könnte, reduziert er seinen Händedruck bis zur Bewegungslosigkeit. Eine derart wesenlos wirkende Hand kann der Ausweis eines Künstlers, Gynäkologen, Chirurgen, Kunsthandwerkers, Boxers . . . sein. Er möchte die Hand als sein wertvollstes Werkzeug schützen und versucht, die eventuelle Aggressivität der ihm entgegengestreckten Hand zu entschärfen, indem er seine eigene Hand ganz leblos wirken läßt. Der Händedruck Marke »cold fish« wird niemals als sympathisch empfunden, ob man nun die Ursache für seine Laschheit kennt oder nicht. In den USA bezeichnet man ihn schlicht und einfach als „unamerikanisch“.

Noch schlechter im Ruf steht der klamme, warme, feuchte Händedruck. Er ruft ausnahmslos Abneigung hervor. Wer mit schwitzenden Handflächen geschlagen ist, leidet gewöhnlich ganz furchtbar unter diesem Übel. Schon die Aussicht auf einen Händedruck verzehnfacht die ohnehin vorhandene Angst und löst einen gerade dann höchst unpassenden Schweißausbruch aus. Fieberhaft knüllt der Unglückliche ein Taschentuch in seiner Hand zusammen; hat er kein Taschentuch, trocknet er seine Handflächen hastig, indem er über den Anzugstoff seiner Hose fährt oder sie gegen irgendeine frische, trockene Fläche in seiner Reichweite preßt. Bei Heranwachsenden sind feuchte Hände eine häufige und beinahe normale Erscheinung; bei Erwachsenen lassen sie auf eine starke Erregbarkeit und Angstgefühle schließen, die für die Betroffenen zeitweise unerträglich werden können.

Als letzte Möglichkeit bleibt noch übrig die Hand, die verweigert wird. Sie strecken die Hand aus, und Ihr Partner reagiert nicht auf Ihre Geste. Wenn er Sie dabei klar und deutlich ansieht, ist seine Absicht nicht schwer zu deuten. Dieser Mann will Sie beleidigen; er greift Sie aktiv an. Er weist Ihr Entgegenkommen zurück, Ihre Versöhnungsversuche, leugnet Ihre Anwesenheit, Ihre Person, ieden Kontakt. Er bietet Ihnen die Stirn, er erklärt Ihnen den Krieg. Wenn Jemand sich den Anschein gibt, Ihre ausgestreckte Hand nicht zu sehen, wenn er so tut, als bemerke er Ihre Geste nicht, so ist bei seiner Ablehnung Vorsicht im Spiel. Natürlich bringt er Ihnen eine unübersehbare Abneigung entgegen; aber er will Unannehmlichkeiten vermeiden; oder aber er verachtet Sie wirklich grenzenlos; in seinen Augen existieren Sie nicht, und er erwartet von Ihnen nicht die kleinste Reaktion auf diesen absichtlichen Affront.

Vorlieben auf den ersten Blick

Montag, Oktober 1st, 2007

Trifft man einen Menschen zum ersten Mal, unterhält sich mit ihm und beobachtet ihn und seine Bewegungen und seine Mimik, so wird er in uns einen bestimmten Eindruck erwecken. Durch seine Stimme, seine Sprechweise und seine Mimik werden in uns Erinnerungen und Gefühle wach, die auf frühkindlichen Erfahrungen beruhen. Jedoch könnte sich während der Zeit des Kennenlernens dieses Bild entsprechend verändern.

Dennoch wird dieser erste Moment - dieses erste Empfinden - uns lange begleiten und wir unter diesem Einfluß stehen. Unser Gehirn enthält ein neurophysiologisches Muster, bzw. Raster. Wenn uns ein Mensch begegnet, der über den ersten Eindruck in dieses Muster paßt, so wird der Betreffende sich bemühen dieses Wesen besser kennenzulernen. Der erste Kontakt des Kennenlernens ist somit einer starken Wechselwirkung unterworfen, die durch beide Individuen und deren Verhalten in entsprechende Bahnen gelenkt wird oder ins Abseits gerät. Besonders vorsichtig sein sollte man hier sein um nicht mit dem ersten Eindruck ein komplettes Bild über das Gegenüber zu malen. Der erste - äußerliche - Eindruck könnte falsch sein.

Ist der erste optische Eindruck entstanden stellt sich die Frage nach einem weiteren Kontakt oder einem absterben des Kontaktes. Versuche haben ergeben, daß Menschen, die sich in einem engen Fahrstuhl mit unbekannten Mitfahrern befinden eine bis zu drei mal erhöhte Pulsfrequenz besitzen - sie fühlen sich in dieser Nähe unwohl, bedrückt und beunruhigt. Der Wissenschaftler Wilhelm Griffit zeigte zum Beispiel, daß die gegenseitige Anziehung zwischen zwei Menschen in einer gewissen Abhängigkeit zur Raumtemperatur stehen kann. Versuchspersonen schätzten sich in einem überhitzten Raum wechselseitig negativer ein als in einem normal temperierten. Dieses körperliche Unbehagen beeinflußt die Entscheidung über das Gegenüber. Fazit - selbst der tollste Mann / die tollste Frau - würde im strömenden Regen, bei Kälte, durchfrorenen Gliedern und ähnlichen Begleiterschei- nungen vermutlich nicht wirken können.

Besonders stark wirkt sich auf die erste Begegnung erfahrungsgemäß die emotionale Verfassung der Menschen aus. Besonders in Gefahrensituationen, während Filmen des Krimi- oder Horrorfachs, neigen männliche Versuchspersonen eher dazu, sich mit Frauen (die sie in dieser Situation kennengelernt haben) zu verabreden als diejenigen Männer, die keine prickelnden Situationen miterlebt hatten. Untersuchungen bewiesen klar daß Männer, die eine gefährliche Brücke überquert hatten eher gewagt hatten eine interessante Frau anzusprechen als die Männer, die eine weniger gefährliche Brücke überquert haben. In diesem Versuch wurde der direkte Zusammenhang zwischen emotionaler Erregung und Sexualität bewiesen.
Fazit, was aus zwei Menschen wird, die sich begegnen hängt von Details ab, denen man unter Umständen keine Bedeutung beimißt: frühkindliche Muster, gewollte oder beengte Nähe, Wohl- oder Unwohlgefühl, Raumtemperatur, Adreanalinspiegel, der emotionalen Verfassung und vielem mehr. Alles Begleitumstände, die uns vermutlich nicht bewußt sind - die aber für entsprechende Konsequenzen sorgen können.

Wer kann warum riechen?

Montag, Oktober 1st, 2007

Schon im frühen 19. Jahrhundert entdeckte der große französische Naturalist Jean-Henri Fabre sexuelle Köderstoffe an Insekten. Die Bezeichnung für diesen Duftstoff ist “Pheromon” kommt aus dem Griechischen und wurde 1959 von deutschen Wissen- schaftlern geprägt, um diesen starken Wirkstoff zu beschreiben. Die wörtliche Beschreibung steht für: Erregungs-Übertragung.

In den dreißiger Jahren wurden genaue Untersuchungen dieser starken Geruchssignale durchgeführt, um festzustellen, ob man über sie eine gewisse Kontrolle über die Insektenpopulation ausüben kann. Über diesen Weg ist die Wissenschaft - auch wenn hier gegensätzliche Meinungen herrschen - auf dem Weg zu der Erkenntnis, es ist kein Zufall, wer wen riechen kann!

Selbst bei regelmäßiger Körperpflege und Parfümierung verfügt jeder Körper über eine eigene Duftnote. Sexualität und Lust geht über den Kopf, speziell über das limbische System, welches vom Noradrenalin beeinflußt werden kann (was natürlich bewußt keiner der Liebenden mitbekommen wird). Dieses Noradrenalin stellt jeder Körper in Eigenregie her, nimmt den Geruch beim eventuellen potentiellen neuen Liebespartner wahr und gibt die “eigene Duftnote” ab. Beim Menschen ist genau dieses limbische System für lustvolle Empfindungen zuständig. Es reguliert Geschlechtstrieb und Fortpflanzungszyklus - durch genau diese Gerüche und die Reaktionen darauf. Einige Nerven führen vom Geruchszentrum in der Nase zum limbischen System, um nun das sexuelle und emotionelle Zentrum zu stimulieren. Wird also von einem Menschen der passende Geruch wahrgenommen, reagiert der Körper - mehr oder minder - automatisch.

Gerüche können sehr intensiv sein. Sie können Erinnerungen an das Tageslicht zaubern, sie können alte Abneigungen aktivieren und sie können für jegliche Art von Erinnerung sorgen. Egal, wie wir unseren eigenen Gerüche durch Parfüm, Deo oder andere Duftstoffe aktivieren werden - unser “Eigengeruch” bleibt uns erhalten und wird von anderen unbewußt wahrgenommen und wird zu Reaktionen führen.

Die Gerüche, die ein Körper ausströmt, sprechen beredt die Sprache der Liebe. Im Jahr 1879 entdeckte der französische Schriftsteller Lind Insektenforscher Jean-Henri Fabre, daß der weibliche Schmetterling allein durch seinen Duft über eine Entfernung von mehreren Kilometern hinweg die Männchen seiner Art anzieht. Inzwischen hat sich immer deutlicher erwiesen, daß ein enger Zusammenhang zwischen Sexualfunktionen und Geruchsfunktionen auch beim Menschen besteht. Nach den amerikanischen Sexualwissenschaftlern W. H. Mastets und XT. F. Johnson steigert sich die GeruchsentwickIung in den behaarten Zonen während der genitalen Erregung, und der Sexualakt selbst ist davon begleitet. So eng verbunden mit der Lust können die körperlichen Gerüche des andern entzücken, aber auch abstoßen; niemals lassen sie völlig gleichgültig.
Wie Georg Groddeck in seinem Buch vom Es darlegt, erwacht unser Wahrnehmungsvermögen für körperliche Gerüche sogar schon, bevor wir unseren ersten Schrei ausstoßen. Es wird während unserer ersten Lebensjahre dauernd und massiv angesprochen. »Zunächst ist der Geruch des weiblichen Schoßes und des Blutes, das daraus fließt, eine der ersten Wahrnehmungen, die der Mensch macht. Dann kommt eine Zeit, in der die Nase des kleinen Weltbürgers sich hauptsächlich mit dem Riechen des eigenen Urins und Kotes beschäftigt, was gelegentlich mit den Düften der Frauenmilch und der mütterlichen Achselhaare abwechselt, während dauernd der intensive, durchdringende und unvergeßliche Duft des Wochenflusses einwirkt . . . In den ersten Jahren sind es die Füße und Beine, die das Kind riecht; denn das Kind ist klein, und die Erwachsenen sind groß . . . Das Kind lernt zunächst die Beine der Menschen kennen und lieben; das ist wichtig, erklärt vieles und wird nie beachtet. Dann kommen Jahre, lange Jahre, in denen das Kind fast ununterbrochen riechen muß, was in der Bauchgegend der Erwachsenen vor sich geht, und das gefällt ihm ausnehmend gut. Und das wird auch rührend gefunden. Welcher gefühlvolle Schriftsteller ließe sich wohl den Knaben - oder den Mann - entgehen, der seinen Kopf im Schoß der Mutter oder der Geliebten - birgt. Was, seiner Poesie entkleidet, genausoviel heißt wie: er steckt seine Nase zwischen ihre Beine. Das klingt roh, enträtselt aber die Entstehung der Kindesliebe und die Liebe zur Frau. Die Natur hat wunderliche Wege, um den Menschen zum Weibe zu zwingen, und das ist der, der von allen begangen wird.«
Mit großem Aufwand an Hygienevorschriften und Erziehungsgrundsätzen haben die regulierenden Kräfte des Lebens in der Gemeinschaft die freie Entfaltung körperlicher Gerüche und deren genußvolle Wahrnehmung bekämpft. Man hat in Ekel und Widerwillen verwandelt, was einst Lockung und Lust war.

In den westlichen Gesellschaften fühlt sich heute jeder gehalten, seine persönlichen Ausdünstungen im Keim zu ersticken. Aber kein Bad und keine Haarwäsche, keine Seife und kein Deodorant kann jemals verhindern, daß ein Mensch unter dem Ansturm der Leidenschaft seinen inneren Aufruhr durch einen plötzlichen Schweißausbruch oder eine Geruchswelle von den Genitalzonen zum Ausdruck bringt. Manche Menschen, deren Geruchssinn noch nicht völlig durch die erworbene Schamhaltung verkümmert ist oder durch ständige aufdringliche Einwirkung künstlicher Gerüche abgestumpft wurde, können diese zarten Signale des Körpers bei ihren Mitmenschen wahrnehmen; sie ziehen daraus sehr praktische Schlüsse für ihr Liebesleben.

Die menschliche Einstellung gegenüber dem Gebot der Abschwächung bzw. völligen Unterdrückung der natürlichen Gerüche ist ausgesprochen ambivalent. Es muß eine große Frustration gewesen sein und ist es immer noch, auf den sinnlichen Genuß, den uns das Geruchsorgan vermittelt, zu verzichten. Zum Ausgleich haben wir für die scharfen körperlichen Gerüche einen Ersatz in den weniger aggressiv sinnlichen Düften aus dem Pflanzen- oder Tierreich gefunden, und eine riesige Parfümindustrie blüht und gedeiht im Dienste des Sexualinstinkts.
Wir gebrauchen Körperpflegemittel, um die nunmehr als abstoßend empfundenen Körpergerüche zu bekämpfen; weil wir natürlich nicht abstoßen möchten. Dann veredeln wir diesen desodorierten Körper mit einem berauschenden, durchdringenden Parfüm in der eindeutigen Absicht zu verführen. Das Parfüm, reines Kulturerzeugnis, macht die Natur erträglich, mehr noch: es verleiht ihr Lockung und Reiz. Die parfümierte Frau scheint zu sagen: »Dufte ich nicht sehr gut?« und fragt: Gefalle ich Ihnen?« Von geheimnisvollen Duftwolken umschwebt, reizt und lockt sie. Man soll sie einatmen. Keine Frau wird das leugnen.

So gesehen ist das Parfüm eine - manchmal deutliche und direkte, manchmal bloß unbestimmte und für alle möglichen Vermutungen offenbleibende Sprache, die unaussprechliche Botschaften dem anderen mitteilen soll. Derartige Botschaften mögen unaussprechlich sein, der Dechiffrierung sind sie nicht entzogen. Mit unserer unverbesserlichen Neigung, alles zu vermenschlichen, haben wir den Blumen und den aromatischen Essenzen, die wir ihnen entziehen, um sie uns anzueignen, psychologische Eigenschaften und symbolische Bedeutungen zugeordnet, wie es uns unsere Instinkte eingegeben haben.
Die Rose ist ein Symbol voll erblühter Weiblichkeit; das Geißblatt steht für stürmische Freiheitsliebe. Das bescheidene Veilchen symbolisiert die Sanftmut, Jasmin die Sehnsucht, die Zitrone herb-frische jugendlichkeit. Pfefferdüfte werden für geistreich und originell gehalten. Lavendelkraut erinnert an reine, klare Höhenluft. Ambra und Moschus zaubern eine Atmosphäre der Sinnlichkeit. Zedernöl bedeutet kraftvolle Lebensenergie, Sandelholz Raffinement und Fichtennadelöl Gesundheit.

Leichter fällt es uns noch, die der Natur entlehnten Parfüms in männliche und weibliche Düfte zu trennen. Parfüms mit den Duftnoten von Tabak, Russenleder, Benzoe, Zimt, Zedernöl und Zitrone wirken auf uns männlich. Lavendelduft wird merkwürdigerweise als beiden Geschlechtern zugehörig empfunden; er hat eine keusche, fast geschlechtslose Note. Dagegen haben alle Blumenparfüms - Jasmin, Rosen, Maiglöckchen, Reseda usw. - eine sehr weibliche Ausstrahlung. Eine Frau, die diese ungeschriebenen Gesetze übertritt und ein Parfüm wählt, das nach allgemeiner Auffassung als männlich gilt, wird Verwunderung oder sogar Mißtrauen auslösen. Der Mann, der sich in Blumendüfte hüllt, ruft noch stärkeren Argwohn hervor. Die Weiblichkeit der Frau, die Männlichkeit des Mannes wird von der Umgebung, die dieses ungewöhnliche Parfüm an ihnen wahrnimmt, angezweifelt.

Denn der Mann oder die Frau identifizieren sich mindestens teilweise mit dem Duft, den sie wählen. Modische Beeinflussung läßt den Mann die Gerüche des Moschusochsen oder der Mandragora seinen eigenen Ausdünstungen vorziehen. Sein eigentlicher Beweggrund sind aber irrationale Vorstellungen aus der Gefühlswelt des Urmenschen. Der primitive Jäger schmückte sich mit einem Stück vom Fell seines erlegten Feindes, damit dessen Stärke und Kraft auf ihn übergehen möge. Solchen Jagdzauber gibt es bei den Naturvölkern auch heute noch. Der Europäer, der sich parfümiert, verhält sich ähnlich; er wünscht sich unbewußt die wundervollen Eigenschaften, mit denen er selbst zuvor den Spender des Duftes ausgestattet hat. Daher informiert die Auswahl des Parfüms nicht so sehr über die wahre Natur eines Menschen als vielmehr über die Vorstellung, die er seiner Umgebung von sich selbst vermitteln möchte. Die Botschaft ist doppeldeutig und muß auf Umwegen entschlüsselt werden.

Wirkt oder macht eine Glatze sexy?

Montag, Oktober 1st, 2007

Macht eine Glatze sexy oder bevorzugst Du “Samson”?
Wie scharf wirkt nun wirklich ein Mann mit Glatze? Ist er sexy?

Jetzt möchte ich Euch etwas fragen: Was denkt Ihr, wenn Ihr einen Mann mit einer wilden, wallenden Haarmähne sehen? Wenn Ihr ganz ehrlich sind, dann bringen Ihr vielleicht Haarwuchs und Manneskraft in Zusammenhang. Und das ist auch nichts Außergewöhnliches. Denn in der allgemeinen Vorstellung und nach jahrtausende altem Glauben verbindet sich außergewöhnliche männliche Potenz mit üppiger Haarfülle.

Was zum Beispiel auch die Legende vom starken SAMSON verdeutlicht: Der biblische Held war in seiner Jugend mit kolossaler Kraft ausgestattet. Mit einem Eselsknochen als Waffe hatte er ganz allein mehr als tausend Philister erschlagen. Aber eines Nachts, während er schlief, da schnitt die gemeine DELILA sein üppiges Haar ab, und beim Erwachen fand sich Samson schwächer und hilfloser als ein Kind.
Als sein Haar dann nach einiger Zeit wieder zur früheren Länge nachgewachsen war, hatte er seine Kraft ganz zurückerlangt, so daß er die Säulen eines Tempels mit seinen Armen zum Einsturz brachte.

Ein wilder Haarschopf beim Mann signalisierte also zu allen Zeiten Kraft und Potenz! Da müßten sich doch die Männer mit spärlichem Haarwuchs oder gar einer Glatze verstecken … Dies entspricht jedoch nicht der Realität. Denn es gibt Frauen, die ganz anderer Ansicht sind, wenn sie eines kahlköpfigen Mannes ansichtig werden. Deshalb meine Frage - Sind Männer mit Glatze bessere Liebhaber?

Buchtipp:

Erotischer Körpergeruch fasziniert Männer

Montag, Oktober 1st, 2007

Frauen verströmen an ihren fruchtbaren Tagen einen besonders erotischen Körpergeruch. Und der wirkt nach einer Studie der Universität Texas eindeutig auf die Männer. Bei der Untersuchung bewerteten 52 Männer die Nachtwäsche von 17 Frauen. 90 Prozent fanden den Geruch der Hemden besonders erotisch, die Frauen während ihres Eisprungs getragen hatten.

Sogar Spermien können riechen, wie Wissenschaftler der Universität Bochum herausgefunden haben. Sie finden dadurch den Weg zur maiglöckchenartig duftenden Eizelle. Mit diesem Wissen wird derzeit an neuen Methoden zur Verhütung und zur Hilfe für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch geforscht.

Gerüche können übrigens auch zum Abnehmen eingesetzt werden, denn das Sättigungszentrum im Gehirn ist direkt mit den Riechnerven verbunden. So lässt sich beispielsweise Heißhunger auf Schokolade bremsen, wenn man an ätherischem Rosenöl schnuppert. Verantwortlich dafür ist die Substanz Phenylethylamin, die auch im Kakao vorkommt.
Ähnlich sollen auch Eukalyptus- und Pfefferminzduft den Appetit zügeln.

Buchtipp: